Klingt unglaublich, aber unsere Großdieselmotoren können aus fast allem wertvolle Energie gewinnen – auch aus altem Speisefett. Wir haben das bewiesen: in dem kleinen Ort Fritzens in Österreich. Hier sammeln Frittenbudenbesitzer, Kneipenwirte und auch Haushalte ihr altes Speisefett in Plastikbehältern. 1.800 Tonnen jedes Jahr. Und unser 1.120 kW starker Großdieselmotor macht daraus Energie für 3.500 Haushalte.
-
Im Blockheizkraftwerk der Kläranlage Fritzens in Österreich haben Techniker von MAN Diesel & Turbo einen außergewöhnlichen Kraftstoff nutzbar gemacht: gebrauchtes Pflanzenfett. Die örtliche Gastronomie und private Haushalte sammeln ihre Fettabfälle in Plastikbehältern und bringen sie zu Recyclinghöfen. Diese Fette und Öle, die früher in den Ausguss gekippt wurden und dann in der Kläranlage mit hohen Kosten wieder getrennt werden mussten, beweisen sich jetzt als umweltfreundlicher Energieträger. Umweltfreundlich, denn die Verbrennung von Pflanzenölen und Biogasen, die bei der Zersetzung organischer Stoffe entstehen, führt der Atmosphäre lediglich so viel CO2 zu, wie die Pflanzen im Laufe ihres Wachstums der Atmosphäre entnommen haben: Diese Form der Energieerzeugung ist CO2-neutral.
Die Heizkraftanlage in Fritzens kann das alte Pflanzenfett problemlos als Kraftstoff verwerten. Den Antrieb für den Strom-Generator der Anlage liefert ein MAN-Sechszylinder-Dieselreihenmotor des Typs 21/31 (Kolbendurchmesser 210 Millimeter, Hub 310 Millimeter). Die elektrische Leistung des Motors liegt bei 1.130 Kilowatt, die Wärmeleistung bei rund 1.350 Kilowatt. Was diesen MAN-Großmotor bei der Energiegewinnung höchst effektiv macht, ist genau diese gleichzeitige Nutzung der erzeugten Motorenergie und -abwärme – also die Kraft-Wärme-Kopplung: Der Wirkungsgrad liegt bei 88 Prozent.
Denn zusätzlich zur Motorkraft, die über den Generator Strom erzeugt, wird die Motorwärme dazu genutzt, die Faultürme der Kläranlage auf Betriebstemperatur zu halten und den Klärschlamm zu trocknen. Der getrocknete Schlamm wird granuliert oder pelletiert und kann als Brennstoff für Heizkessel oder Prozesswärmeöfen genutzt werden. Teile davon werden an ein Zementwerk geliefert, das damit Tonnen fossiler Brennstoffe einspart.
Bevor das Altfett im Motor verbrannt wird, lässt man die Schwebstoffe sich darin absetzen, was die Energieeffizienz der Entsorgungsanlage nochmals steigert. Denn rund zehn Prozent der Ablagerungen reagieren zusammen mit Abwasser in der Anlage und erzeugen Biogas. Dieses Biogas betreibt eine angeschlossene Gasmotor-Heizkraftanlage.
Damit das Werk nicht nur CO2-, sondern auch weitgehend emissionsneutral arbeitet, gibt es eine Abgasnachbehandlungsanlage einschließlich eines selektiven katalytischen Reduktionssystems. Hier werden Oxide aus Stickstoff (NOx) und unverbranntem Brennstoff beseitigt. Zudem tilgt ein nachgeschaltetes Oxidationskatalysatorsystem verbliebene unverbrannte Brennstoffe, Kohlenmonoxide und Restammoniak aus dem NOx-Reduktionsprozess.
Der jährlich durch die Generatoren erzeugte Strom von neun Gigawattstunden deckt den Bedarf der gesamten Anlage und speist sechs Millionen Kilowattstunden Ökostrom ins öffentliche Stromnetz ein – genug für 3.500 Haushalte. Das macht die Anlage energetisch komplett autark, die gesamte Wertschöpfung bleibt in der Region.
Damit ist die Anlage in Fritzens in jeder Hinsicht ein Vorbild dafür, wie man mit intelligenter Technologie von MAN selbst aus Problemstoffen umweltfreundliche Energie gewinnen kann.
MAN. Engineering the Future – since 1758.